• Andrea Hildebrandt referiert und steht an einem Pult mit Mikrofon.

    Andrea Hildebrandt begrüßte in ihrer Funktion als Prodekanin für Forschung und Groningen die Teilnehmenden, nutzte den Austausch aber auch, um Kontakte für die eigene Forschung knüpfen.

  • In einem Hörsaal sitzen mehrere Menschen und hören dem Redner zu.

    In Groningen kamen interessierte Forschende aus beiden Ländern zusammen.

Zündfunke für neue Kooperationen mit Groningen

Weitere Kooperationen zwischen niederländischen und deutschen Forschenden in der Medizin begründen - das ist das Ziel der neuen Initiative „Meet and Connect”. Forschungsdekanin Andrea Hildebrandt im Interview.

„Meet and Connect for Joint Research Projects Groningen-Oldenburg“ – unter dieser Überschrift stand das letztjährige Auftakttreffen von Forschenden der Universitätsmedizin Oldenburg (UMO) und des Universitair Medisch Centrum Groningen (UMCG). Das INTERREG-geförderte Projekt soll bestehende Kooperationen zwischen medizinisch Forschenden vertiefen, neue Forschungskollaborationen anbahnen und eine Infrastruktur für eine nachhaltige Zusammenarbeit ermöglichen.

Im Interview spricht Andrea Hildebrandt, Prodekanin für Forschung und Groningen an der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften, darüber, was sich aus diesem ersten Treffen bereits ergeben hat – und wie es weitergeht. 

Die Universitäten Oldenburg und Groningen hatten zum „Meet & Connect“ in Groningen geladen. Was ist daraus erwachsen?

Andrea Hildebrandt: Das „Meet & Connect“-Event im vergangenen Herbst war ein Katalysator für die Zusammenarbeit der UMO und des UMCG und hat viele Forschende beider Standorte zusammengebracht. Für einige Oldenburger war es der erste Besuch des UMCG. Besonders gefreut hat uns, dass neben kooperations-erfahrenen Wissenschaftler*innen auch viele neue Gesichter vom Postdoc bis zum neuberufenen Professor dabei waren und die Gelegenheit genutzt haben, das UMCG erstmals zu besuchen und ganz konkret über zukünftige Kooperationsmöglichkeiten zu diskutieren. Das hat dem Event Aufbruchstimmung verliehen.

Für mich als Prodekanin für Forschung und Groningen war ein zentraler strategischer Punkt des Treffens der Austausch zu Möglichkeiten der Verzahnung unserer Kompetenzen im Bereich der Datenwissenschaften und KI. Im Rahmen von Matchmaking-Aktivitäten haben wir intensiv darüber gesprochen, wie das neu gegründete Wissenschaftliche Zentrum für Methoden der Artificial Intelligence und Data Science (WiZArD) mit dem Data Science Center in Health (DASH) in Groningen zusammenarbeiten kann und wir sind derzeit in Oldenburg dabei, daraus Prozesse zu definieren.

Warum braucht es so eine Veranstaltung?

Hildebrandt: Solche Veranstaltungen sind heute wichtiger denn je. Zwar entstehen in der modernen Wissenschaftscommunity viele Netzwerke rein virtuell, doch für wirklich belastbare und nachhaltige Zusammenarbeit ist der persönliche Kontakt nach wie vor unerlässlich. Erst wenn man sich physisch gegenübersteht, kann man die Arbeitsweise und die Persönlichkeit des Gegenübers wirklich kennenlernen – das ist die Basis für Vertrauen, die eine Videokonferenz allein oft nicht leisten kann.

In der heutigen Welt ist eine kluge Mischung aus Online-Unterstützung und persönlichem Austausch für den Aufbau und die Aufrechterhaltung von Kollaborationen entscheidend. Digitale Tools helfen uns zwar, den Kontakt zu halten, doch das Event in Groningen war der Zündfunke für die inhaltliche und auch persönliche Tiefe. Im Nachgang fanden bereits einige Folgetreffen zwischen Forschenden statt, um die Kontakte zu vertiefen und ersten Ideen weiterzuentwickeln. Ein besonderer Dank gilt unseren Förderern: Ohne die Unterstützung im Rahmen des INTERREG-Programms wäre dieses Format, das Brücken zwischen unseren Regionen schlägt, nicht möglich gewesen.

Haben Sie ein Beispiel für eine neue Zusammenarbeit, die sich beim Treffen konkretisiert hat?

Hildebrandt: Ich selbst konnte zum Beispiel wertvolle neue Kontakte für meine Forschung schließen. Im Rahmen der Profilinitiative „Frühe Entwicklung“ arbeiten Prof. Dr. Axel Heep, Leiter der Universitätsklinik für Kinder und Jugendmedizin, und ich an einem Projekt, in dem wir die neuronalen Grundlagen der audio-visuellen Informationsintegration als erste Entwicklungsstufe der Sprach- und kognitiven Entwicklung nach Frühgeburt untersuchen. Dafür nutzen wir ein Verfahren namens Nah-Infrarot-Spektroskopie. Beim Meet-&-Connect-Event hatten Axel Heep und ich zusammen die Möglichkeit, uns mit Elisabeth M. W. Kooi, Professorin für Neonatologie und Leiterin der Abteilung für Neonatologie im UMCG, auszutauschen. Sie ist die Leiterin der „Near-Infrared Spectroscopy Special Interest Group“ der „European Society for Pediatric Research“, und wir werden unsere Forschung im Bereich Nah-Infrarot-Spektroskopie zukünftig höchstwahrscheinlich verbinden.

Neben weiteren Treffen, die im Rahmen von Meet & Connect geplant sind, arbeiten die Projektverantwortlichen auch ein einer digitalen Plattform. Was hat es damit auf sich?

Hildebrandt: Um die wertvollen Impulse der Treffen nachhaltig zu sichern, arbeiten wir derzeit an einer gemeinsamen Online-Kooperationsplattform. Das Herzstück dieser Plattform ist eine „Suche-Biete“-Funktion und die interaktive Veranschaulichung der Kooperationsnetzwerke, die bereits mit den während der Tagung gesammelten Forschungsexpertisen gefüllt wurde. Wir stehen kurz vor dem Launch, um der beidseitigen Community dieses Werkzeug zur dauerhaften und unkomplizierten Vernetzung zur Verfügung zu stellen. 

Warum lohnt es sich für Forschende der Fakultät VI, ihre Forschungsthemen grenzübergreifend zu denken?

Hildebrandt: Die Zusammenarbeit mit Forschenden anderer Institutionen bringt immer neue Perspektiven. Wenn diese dann sogar noch Einblicke in ein anderes Gesundheitssystem mitbringen, ist das für die medizinische Forschung natürlich besonders spannend. Gleichzeitig sind sich die Standorte nah: Zwischen Oldenburg und Groningen liegen gerade einmal eineinhalb Stunden Autofahrt. Das ermöglicht regelmäßige persönliche Treffen und sogar das gemeinsame Arbeiten an einem Ort. So können Wissenschaftler*innen von ergänzenden Forschungsschwerpunkten, einer anderen Forschungsinfrastruktur oder dem Zugang zu anderen Datensätzen an der Partneruniversität profitieren. In den vergangenen Jahren hat die Fakultät außerdem schon zahlreiche Erfahrungen auch mit den Herausforderungen grenzübergreifender Forschung gemacht. Für viele administrative Hürden gibt es daher schon Lösungen. 

Wenn ich eine Idee für ein grenzübergreifendes Projekt habe: wie gehe ich am besten vor? An wen wende ich mich?

Hildebrandt: Die ersten Ansprechpartnerinnen sind Nina Löchte und Nadine Brandt vom Team Internationales der UMO. Sie unterstützen bei der Projektumsetzung, indem sie Kontakt zu potenziellen Kooperationspartnerinnen und -partnern in Groningen herstellen, zu Fördermöglichkeiten beraten und organisatorische Fragen beantworten.

Kontakt

Team Internationales
Nina Löchte und Nadine Brandt

Das Projekt „Meet & Connect for Joint Research Projects Groningen – Oldenburg“ wird durch das Interreg-Programm Deutschland-Nederland sowie seinen Programmpartnern ermöglicht und von der Europäischen Union (EU) kofinanziert.