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  • Gruppenfoto mit sieben Frauen vor einer automatischen Schiebetür aus Glas.

    Gemeinsam mit Vertreterinnen der Abteilung für Pflegewissenschaft der Nelson Mandela Unviersity haben Rebecca Palm (r.) und Johanna Seiters (daneben) unter anderem das private Life St. George's Hospital besucht.

  • Eine einfache Liege in der Ecke eines Raumes. An den Wänden hängen Poster. Unter der Liege stehen Kartons, neben ihr stehen eine Babywaage und ein Babybett auf Rollen.

    In Südafrika besuchten die Gäste unter anderem ein Community Health Center.

  • Frauen an einem Besprechungstisch schauen gemeinsam auf eine Präsentation mit dem Titel "Primary Health Care in South Africa"

    Der Besuch diente dem Austausch mit den Pflegewissenschaftler*innen der Nelson Mandela University und einem Einblick in das südafrikanische Gesundheitssystem.

Was Pflege in Südafrika bedeutet

Die Oldenburger Pflegewissenschaftlerin Rebecca Palm hat neue Kontakte nach Südafrika geknüpft. Davon profitieren sollen Oldenburger Studierende – und die Pflege von Menschen mit Demenz in Südafrika.


Seit mehr als 50 Jahren bildet das Department für Pflegewissenschaft, das heute Teil der Nelson Mandela University ist, Pflegefachpersonen auf Bachelor-Niveau aus. „In Südafrika spielen Pflegefachpersonen eine sehr wichtige Rolle in der Grundversorgung“, sagt Prof. Dr. Rebecca Palm. Gerade ist die Pflegewissenschaftlerin der Universität Oldenburg aus Gqeberha zurückgekehrt, wo sie gemeinsam mit Doktorandin Johanna Seiters die Oldenburger Partneruniversität besucht hat, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten. Vor Ort stellte sie überraschende Gemeinsamkeiten zwischen Südafrika und Deutschland fest – aber auch gravierende Unterschiede.

Erste Kontakte zwischen den Teams der Pflegewissenschaft in Gqeberha und Oldenburg gibt es bereits seit vergangenem Jahr, als Prof. Dr. Dalena van Rooyen, Prodekanin der Fakultät für Gesundheitswissenschaften an der Nelson Mandela University, zu Gast in Oldenburg war und Interesse an einer Zusammenarbeit äußerte. „Ähnlich wie in Deutschland kämpfen auch die Kolleginnen und Kollegen in Südafrika mit Herausforderungen wie etwa den wenigen unbefristeten Stellen für Forschende. Internationale Kooperationen können dazu beitragen, trotzdem attraktiv für die besten Köpfe zu sein“, sagt Palm.

Gemeinsam mit Universitäten in Norwegen und Kapstadt wollen sich die Nelson Mandela University und die Universität Oldenburg demnächst für eine Förderung im Erasmus+-Programm bewerben. Die EU fördert in diesem Rahmen explizit Projekte, die sich dafür einsetzen, die Bedeutung, Qualität und Zugänglichkeit von akademischer Bildung in Nicht-EU-Ländern zu fördern. „Wir wollen uns gemeinsam mit der Pflege von Menschen mit Demenz beschäftigen – und damit, wie man die Ausbildung von Pflegefachpersonen in Südafrika in diesem Bereich verbessern kann“, erklärt Palm. Menschen mit Demenz erlebten in Südafrika häufig Ausgrenzung und Diskriminierung, weil die Krankheit stark stigmatisiert ist, berichtet Palm. Bildungsarbeit, die im Zusammenhang mit Krankheiten wie HIV oder Tuberkulose Wirkung gezeigt habe – etwa indem qualifiziertes Fachpersonal über die Krankheiten aufklärte – stecke in Bezug auf Demenz in Südafrika noch in den Kinderschuhen. Dabei sei die Krankheit ebenso wie in Deutschland auch ein gesellschaftliches Thema. Die Versorgung von Betroffenen liegt in Südafrika fast immer in den Händen der Gemeinschaft und nicht etwa in Altersheimen oder bei Pflegediensten, die es dort kaum gibt. 

„In Bezug auf Demenz haben wir hier in Deutschland sicher mehr Forschungserfahrung, aber wenn es darum geht, gemeinsam mit den Bürger*innen vor Ort zu forschen, stehen auch wir noch einigermaßen am Anfang und würden von einer Kooperation sehr profitieren“, sagt die Pflegewissenschaftlerin. In Südafrika habe die enge Zusammenarbeit mit den Bürger*innen eine gewisse Tradition.

In Südafrika erhielt der Besuch aus Deutschland spannende Einblicke in die allgemeine Gesundheitsversorgung: In einem Krankenhaus für Privatversicherte herrschten vergleichbare Bedingungen wie in einem durchschnittlichen deutschen Krankenhaus. Die öffentlichen Krankenhäuser hinkten diesem Versorgungsstandard jedoch weit hinterher, erzählt Palm. „Das bedeutet: Es gibt nicht jede Behandlung für jeden – und wer zum Beispiel keinen der begrenzten Dialyseplätze bekommt, der verstirbt. Das ist schwer zu verkraften.“

Anders als in Deutschland sind in Südafrika Community Health Centers sehr verbreitet: In diesen Einrichtungen sind Pflegefachpersonen die erste Anlaufstelle: Egal, ob Infektion, Geburt oder Schmerzen - die Pflegefachpersonen untersuchen, behandeln und verschreiben auch Medikamente . Eine Ärztin oder einen Arzt sehen Patientinnen und Patienten nur, wenn die Pflegefachperson es für erforderlich hält. 

Pflegefachpersonen stärker in die Primärversorgung einzubeziehen, könnte laut Palm auch ein Ansatz in Deutschland sein. Die Ressource Arzt sei schließlich begrenzt und teuer – einen Teil ihrer Aufgaben auf studierte Pflegefachpersonen zu übertragen, könne das Gesundheitssystem hierzulande resilienter und zukunftsfähig machen.
„In einem Umfeld, in dem Pflegefachpersonen so viel Autonomie genießen, können unsere Studierenden viel lernen“, sagt die Wissenschaftlerin. Pflegefachpersonen im Oldenburger Masterstudiengang „Advanced Nursing Practice“ stehe nun Dank der neuen Kontakte die Möglichkeit offen, ihren verpflichtenden Praxisaufenthalt in Südafrika zu absolvieren.