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  • Ein Mann und eine junge Frau sind über einen Schädel gebeugt, an dem Metallteile zu sehen sind, die sie mit einem Schraubenzieher bearbeiten.

    Handwerkliches Geschick konnten Studierende bei der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Klinikums Oldenburg beweisen. Universität Oldenburg / Daniel Schmidt

  • Studierende unterhalten sich mit einem Mann vor einem Banner der Kliniken Aurich-Emden-Norden.

    Kontakt knüpfen konnten die Studierenden unter anderem zu den aktuellen und künftigen Akademischen Lehrkrankenhäusern der UMO. Universität Oldenburg / Daniel Schmidt

  • Zwei Studierende halten einen langen Schlauch der bis in einen Modellhals reicht.

    Die Koniotomie ist ein Notfalleingriff, bei dem ein Zugang zu den Atemwegen in Höhe des Kehlkopfs geschaffen wird, und der nur bei akuter Erstickungsgefahr zum Einsatz kommt - und zum Üben beim Medizinnetz-Treffen. Universität Oldenburg / Daniel Schmidt

  • Studierende unterhalten sich mit einer Vertreterin des Evangelischen Krankenhauses Oldenburg.

    Am Stand des Evangelischen Krankenhauses gab es nicht nur viele Informationen rund um Praktika und Praktisches Jahr, sondern auch die Möglichkeit, in die Rolle eines Gehirnchirurgen oder eine Gehirnchirurgin zu schlüpfen. An einer Kokosnuss konnten Interessierte ausprobieren, wie es sich anfühlt, in einen Schädel zu bohren. Universität Oldenburg / Daniel Schmidt

  • Nahaufnahme einer OP-Situation am Schweineherzen.

    An einem Schweineherzen konnten die Studierenden chirurgische Handgriffe ausprobieren. Universität Oldenburg / Daniel Schmidt

Netzwerk der Möglichkeiten

Oldenburger Medizinstudierende büffeln nicht nur im Hörsaal, sondern sind von Anfang an auch in Praxen und Krankenhäusern im Einsatz. Bei einer großen Netzwerkveranstaltung konnten sie die wichtigsten Praxispartner jetzt kennenlernen.

Famulatur, Hospitation, Blockpraktikum, Praktisches Jahr: Studierende des Modellstudiengangs Humanmedizin büffeln nicht nur im Hörsaal, sondern sind ab dem ersten Semester immer wieder auch im Praxiseinsatz. Das Medizinnetz Oldenburg vereint alle Partnerinstitutionen der Universitätsmedizin Oldenburg (UMO), in denen Studierende die praktischen Teile ihrer Ausbildung absolvieren können – und die reichen weit über Oldenburg hinaus. Bereits zum zweiten Mal präsentierten sie sich jetzt gemeinsam an der Universität Oldenburg, um Medizinstudierenden eine Praxisstation im eigenen Haus schmackhaft zu machen.

Am Stand des Krankenhaus Ludmillenstift Meppen hat sich eine kleine Gruppe Medizinstudierender um den angehenden Facharzt für Pathologie, Leonardo Caldas, geschart. Während seine Kollegen einen halben Meter weiter Waffeln backen, deren Duft durch das Foyer des Hörsaalzentrums strömt, zeigt er ein vor zwei Tagen entferntes Stück eines Dickdarms, an dem ein Tumor zu erkennen ist. Außerdem hat Caldas zahlreiche Präparate mitgebracht, an denen er unter dem Mikroskop demonstriert, wie er und seine Kolleginnen und Kollegen Gewebeproben nach bösartigen Veränderungen untersuchen. „Das gesunde Gewebe der Darmschleimhaut erkennt man daran, dass es eine geordnete Struktur hat, es hat ein ganz eigenes Design, eine eigene Architektur“, schwärmt er und deutet auf den Monitor. Die vom Krebs befallenen Zellen hingegen wirken unregelmäßig und grenzen sich deutlich vom gesunden Gewebe ab. Mit wie viel Begeisterung er über die Details seiner Arbeit spricht, kommt bei den Studierenden gut an. Eine Studentin erkundigt sich, wie lange vorher sie sich bewerben muss, um einen Praktikumsplatz zu erhalten und kündigt an, sich per E-Mail zu melden.

Vier originäre Krankenhäuser der Universitätsmedizin Oldenburg, acht, bald zehn Akademische Lehrkrankenhäuser, zwei Gesundheitsämter und ein Netz an Akademischen Lehrpraxen, das den gesamten nordwestdeutschen Raum abdeckt: Wenn es um die praktische Ausbildung geht, steht Oldenburger Medizinstudierenden ein großes Netzwerk zur Verfügung. Seine Mitglieder präsentierten sich und ihr Angebot Mitte April an der Universität Oldenburg, um mit den Medizinstudierenden in Kontakt zu kommen, die bei ihnen ein Praktikum oder später einmal als Assistenzärztinnen und -ärzte den Einstieg ins Berufsleben absolvieren könnten.

Ärztinnen und Ärzte sowie Mitarbeitende aus dem Personalwesen standen beim Info-Nachmittag bereit, um die Fragen der Studierenden zu beantworten – und sie mit kleinen Highlights an den Stand zu locken. Beim Klinikum Oldenburg durften Interessierte etwa ein Schweineherz operieren, beim Pius-Hospital Oldenburg an einem Modellauge aus Fruchtgummi eine Hornhauttransplantation üben und sich bei einer Bronchioskopie mit einer Kamera in den Atemwegen eines Modells auf die Suche nach einem eingeatmeten Fremdkörper begeben. Wie es sich anfühlt, durch eine Schädeldecke zu bohren, konnten Studierende beim Evangelischen Krankenhaus Oldenburg testen – mit einem Handbohrer an einer Kokosnuss. Die einhellige Botschaft: Die Türen der Krankenhäuser und Praxen stehen den Oldenburger Studierenden weit offen – und nicht nur die. Auch die Gesundheitsämter aus Stadt Oldenburg und Landkreis Wittmund haben Interesse an den angehenden Ärztinnen und Ärzten und präsentierten sich bei der Netzwerkveranstaltung. Seit Kurzem können Studierende auch in den Ämtern einen Teil ihres Praktischen Jahres absolvieren.

„Studierende nehmen das Netzwerk als Stärke des Standorts wahr“, sagte Prof. Dr. Hans Gerd Nothwang, Dekan der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften bei der Begrüßung zur zweiten Auflage der Veranstaltung. Er betonte, wie wertvoll die Erfahrungen sind, die Studierende während ihrer praktischen Ausbildung in Krankenhäusern und Arztpraxen sammeln. „Wissen entsteht dort, wo Menschen bereit sind, Wissen und Verantwortung zu teilen“, so Nothwang.

Das Medizinnetz mache sichtbar, wie stark der Zusammenschluss an Praxispartnern ist, auf den die UMO zurückgreifen kann. Dass Studierende Erfahrungen in so vielen verschiedenen Einrichtungen im Nordwesten machen können, trage auch zum Anspruch des Standorts bei, sie nicht nur für die Medizin, sondern auch für die Region zu begeistern – und zwar langfristig. „Dafür ist unser Netzwerk unverzichtbar“, unterstrich Studiendekan Prof. Dr. Maximilian Bockhorn.